Wann besteht Versicherungsschutz? Ein Unfall liegt vor, „wenn der Versicherte durch ein plötzlich von außen auf sein Körper wirkendes Ereignis (Unfallereignis) unfreiwillig eine Gesundheitsschädigung erleidet“.


Welche Leistungen kann man beanspruchen? Die Unfallversicherung umfasst unterschiedliche Leistungsarten: Invaliditäts-, Übergangsleistung, Tage-, Krankenhaustage-, Genesungsgeld und Todesfallleistung, wenn sie vereinbart sind. Die jeweils vertraglich vereinbarten Leistungsarten und deren Höhe können dem Versicherungsschein entnommen werden. Es gibt im Übrigen weitere Leistungsarten, die z.B. in den besonderen Bedingungen oder aber Zusatzbedingungen vereinbart worden sein können (z.B. die häufig vereinbarten Sofortleistungen bei Schwerverletzung oder auch kosmetische Operationen).
Was für Probleme sind möglich? Die möglichen Probleme sind vielfältig. Es sei auch an die Regenschirme erinnert, die bei Sonnenschein ausgeteilt und dann, wenn es regnet, mitunter ganz schnell wieder eingezogen werden.


So sei an die vielfältigen Obliegenheiten erinnert, die den Versicherungsnehmer treffen, z.B. die Anzeige- oder die Aufklärungsobliegenheit des Versicherungsnehmers. Wenn diese Obliegenheit nicht erfüllt, kann dies sogar zum Ausschluss des Versicherungsschutzes führen.


Die Versicherung muss zudem mitunter nicht zahlen, auch wenn ein bedingungsgemäßer Unfall vorliegt und die Obliegenheiten erfüllt werden. Es gibt Ausschlüsse. So sind sog. Fahrtveranstaltungen vom Versicherungsschutz ausgenommen. Die Teilnahme an einer Fahrtveranstaltung, und hierzu zählen auch illegale Autorennen, sind vom Versicherungsschutz ausgenommen, da die Teilnahme an einer solchen Veranstaltung ein Risiko bedeutet, das weit über das normale Unfallrisiko hinausgeht. Dieses Risiko soll nicht der Gemeinschaft der Versicherten aufgebürdet werden. Unter diesen Ausschluss fallen Fahrer, Beifahrer und Insassen der Fahrzeuge. Nicht darunter fallen z.B. Zuschauer. Vom Versicherungsschutz ausgenommen sind z.B. auch die nicht seltenen psychischen Reaktionen auf ein Unfallereignis, die ebenso zu einer Arbeits-/Berufsunfähigkeit führen können wir körperliche Reaktionen. Dabei sind allerdings nach der Rechtsprechung des BGH nur die rein psychischen Reaktionen des Körpers vom Versicherungsschutz ausgenommen, nicht dagegen solche Gesundheitsschädigungen, die organisch-physischer Natur sind. Wenn sich ein psychisches Leiden also auf eine organische Schädigung oder Reaktion zurückführen lässt, besteht Versicherungsschutz.


Der Versicherte muss den Versicherungsvertrag prüfen, um zu erfahren, welche Leistungsarten er im Falle eines Unfalls in Anspruch nehmen kann. Dabei muss der Versicherte schon fast juristische Prüfungen übernehmen. Im Falle einer Invalidität, also einer dauernden Beeinträchtigung der normalen körperlichen oder geistigen Leistungsfähigkeit, kann der Versicherte z. B. einen Anspruch auf Neubemessung haben, um überhaupt oder höhere Leistungen aus der Unfallversicherung zu erhalten. Hier muss der Versicherte z. B. unbedingt darauf achten, dass er seinen Anspruch auf Neubemessung gegenüber dem Versicherer rechtzeitig geltend macht. Anderenfalls entfällt sein Anspruch. Der Versicherer ist insoweit auch nicht verpflichtet, den Versicherten auf einen eventuell drohenden Fristablauf hinzuweisen.


Es bestehen weitere nicht unerhebliche Schwierigkeiten. Das Versicherungsrecht insgesamt ist eine der kompliziertesten Rechtsmaterien. Dabei sei darauf hingewiesen, dass der Versicherte nicht allein dasteht. Er kann sich an einen - möglichst im Versicherungsrecht versierten - Anwalt wenden. Praktisch ist es, wenn der Versicherungsnehmer auch rechtsschutzversichert ist. Aber auch wenn dies nicht der Fall ist, bleibt er nicht automatisch auf den Kosten sitzen. Der Haftpflichtversicherer des Unfallverursachers kann verpflichtet sein, Rechtsanwaltskosten des Geschädigten zu ersetzen.

Rechtsanwalt Prof. Dr. Jörg Schmidt, Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht sowie für Versicherungsrecht