Die Patientin litt unter einer überdurchschnittlich großen Brust (sog. Makromastie, Mammahyperplasie, Mammahypertrophie) mit ganz erheblichen Rücken-, Nacken- und Schulterschmerzen. Auch die orthopädische Behandlung, die Einnahme von Medikamenten oder eine Physiotherapie konnten den Zustand nicht dauerhaft verbessern. Der Gynäkologe und der Orthopäde rieten also zu einer operativen Brustverkleinerung.

Die Krankenkasse weigerte sich nach Einreichung des Kosten- und Heilplans, die Kosten für die Brust-OP zu übernehmen. Dabei stützte sich die Krankenkasse wie in ähnlichen Fällen üblich auf eine Rechtsprechung des BGH. Danach dürfen sog. mittelbare Behandlungen an einem gesunden Organ nur als letztes Mittel eingesetzt werden, um Beschwerden an einem anderen Organ zu lindern. Zudem führte die Krankenkasse an, es sei unter Medizinern umstritten, ob eine große Brust für Rückenbeschwerden ursächlich sein könne.

Für die Patientin lohnte sich der Weg zum Gericht. Das Sozialgericht Schwerin entschied mit rechtskräftigem Urteil vom 17.09.2008 (S 8 KR 71/07), dass die Krankenkasse die Kosten der sog. Mammareduktionsplastik tragen muss. Der Fall zeigt, dass Betroffene nicht bei jeder Ablehnung der Kostenübernahme für eine kostenintensive Operation durch die Krankenkassen einfach auf die Entscheidung der Krankenkasse vertrauen und auf die Operation verzichten oder diese gar aus eigener Tasche bezahlen sollten. Auch mittellose Patienten sind bei Rechtsfragen nicht rechtlos. Ihnen steht ggf. Beratungs- und Prozesskostenhilfe zu.

Rechtsanwalt Prof. Dr. Jörg Schmidt, Schwerin