Problem/Sachverhalt

In vielen Regionen in Deutschland, beispielsweise auch um den Schweriner See herum, kann es standortbedingt zu Algenbildungen z. B. an den Dachziegeln oder an hochwärmegedämmten Fassaden kommen. Der Hauseigentümer möchte dann seinen Bauunternehmer und/oder Architekten wegen der Sanierungskosten in Regress nehmen. Tritt ein solcher grünlicher Algenbewuchs auf, so ist seine Ursache festzustellen. Nach der Ursache richtet sich die Haftung. Es kommen verschiedene Ursachen in Betracht. Mitunter ist die Ursache allein der Standort des Gebäudes mit den dort vorhandenen besonderen meteorologischen, klimatischen und/oder landwirtschaftlichen Bedingungen. Solch einen Fall hatte das Oberlandesgericht Frankfurt zu entscheiden. In diesem Fall hatte der Bauherr nach dem Auftreten grünlicher Verfärbungen seiner Dachziegel infolge Algenbewuchses vom Bauunternehmer verlangt, dass Dach neu einzudecken, zumal die Dachziegel nicht der DIN entsprachen.

Entscheidung

Das Oberlandesgericht Frankfurt wies die Klage des Bauherrn ab. Das Verlangen des Bauherrn war unverhältnismäßig. Es lag lediglich ein optischer Mangel und kein Mangel der Funktion des Dachziegel vor. Kosten und Nutzen der Neueindeckung hätten in keinerlei Verhältnis zueinander gestanden.

Praxishinweis

Einmal davon abgesehen, dass ein anderes Gericht die Frage mit guten Gründen auch anders entscheiden könnte (z.B. im Fall des Auftretens einer grünen Fassade kurz nach Anbringung einer teuren und hochwertigen Wärmeedämmung? oder wegen der Bildung sog. Dauersporen?), bedeutet das Urteil selbstverständlich nicht, dass dem Bauherrn gar nichts zustünde. Er kann den Werklohn mindern. Das hatte der Bauherr hier jedoch nicht geltend gemacht. Das Urteil wäre zudem anders ausgefallen, wenn die Algenbildung zu einer Beeinträchtigung der Funktion der Dachziegel geführt hätte, die Dachziegel selbst in absehbarer Zeit durch die Algenbildung erheblich beschädigt worden wären oder die Algenbildung durch einen Baumangel (z.B. irreparabel falsche Beschichtung) verursacht worden wäre. Das alles hatte der Bauherr jedoch ebenfalls nicht problematisiert, so dass das Gericht sich auch damit nicht befasste.

Organische Verunreinigungen an Außenbauteilen haben in den letzten Jahren vermehrt zu Streit geführt. Baustoffe dürfen auf Grund umweltrechtlicher Vorschriften keine chemischen Zusätze mehr enthalten, die Organismen mit geringen Lebensansprüchen wie Algen oder Moose abtöten. Gleichzeitig sollen jedoch bewitterte Baustoffe zur Energieeinsparung wasserhemmend oder wasserabweisend sein. Dadurch wird deren kapillare Saugfähigkeit stark reduziert, wodurch die Oberflächen der Baustoffe länger feucht bleiben und einen hübschen Nährboden für Mikroorganismen darstellen.

Jeder Bauunternehmer (, aber auch jeder Planer) sollte nach alledem über die Standortbedingungen, die Baustoffe und die damit verbundenen Gefahren aufklären und seine Haftung hierfür vertraglich ausschließen. Anderenfalls haftet er jedenfalls dann, wenn der Bauherr nicht die gleichen Fehler wie der Bauherr aus der Entscheidung des Oberlandesgerichts Frankfurt macht.

 

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht sowie Versicherungsrecht Prof. Dr. Jörg Schmidt, Schwerin